Dr. J. M. Littlejohn

Dr. John Martin Littlejohn D.O. (1866 – 1947), ebenfalls ein direkter, neben Dr. W. G. Sutherland, wohl bekanntester Schüler Still’s, Dozent an der American Schooll of Osteopathy (ASO) in Kirksville und ein Lehrer von Dr. Sutherland in den Jahren 1898 – 1900.
Littlejohn studierte Theologie, Philosophie, Jura und Medizin und stammte aus Schottland und zählte wohl zu den größten denkern und befürwortern der osteopathischen Medizin. Littlejohn war ganz sicherlich ein Universalgelehrter und promovierte in Theologie und Jura.
Im Jahre 1900 verließ Littlejohn die American School of Osteopathy (ASO) in Kirksville und ging nach Chicago, wo er die Chicago School of Osteopathy gründete. Diese verließ er im Jahre 1912 und siedelte 1913 mit seiner achtköpfigen Familie nach Bagger Hall in der nähe von London um. 1917 gründete Littlejohn die British School of Osteopahty in London, womit er die Osteopathie nach Europa brachte.

Er brachte neben dem strukturellen-anatomischen Aspekt Still’s, den funktionellen-physiologischen Aspekt, als wichtiges Prinzip in die Osteopathie mit ein.

“Ein Automatismus im Bereich der Osteopathie ist sogar noch gefährlicher als im alten medizinischen Bereich. Es versteht sich von selbst, dass es einen gesunden Zustand gibt, wenn das System einschließlich Körper und Geist strukturell und funktionell vollkommen und ohne Durcheinander ist. Taucht jedoch irgendeine Abweichung auf, muss der Osteopath sie entdecken, um letztlich erfolgreich behandeln zu können. Eine unvollkommene Diagnose impliziert, dass die Behandlung zum Experiment werden kann.”
J. M. Littlejohn

So hatte dieser große Denker und Praktiker schon Einsichten Anfang des 20. Jahrhunderts, die weit über die Vorstellungen der zeitgenössischen Medizin hinaus gingen. Dies betraf auch den Zusammenhang zwischen Physiologie und Psychologie.

“Die Physiologie hat nicht nur eine Auswirkung auf den Bereich der Medizin, sondern auch auf den der Psychologie und durch die Psychologie auf den gesamten Bereich der Bildung. Die Physiologie erläutert und erklärt weitgehend psychische Zustände. Denn die wahre Psychologie gründet auf der Physiologie. Die mentalen Zustände und Aktivitäten sind nur insoweit von Wert als sie Veranschaulichungen und Offenbarungen der physiologischen Beziehungen und Zustände sind. Die psychischen Zustände des Lebens werden nicht nur im Bereich der Bildung, bei den Anpassungen an das Studium, sondern auch im Studium und der Diagnose mentaler Krankheiten und bei vielen Nervenkrankheiten dargestellt. Die Physiologie des Gehirns, des Rückenmarks und des gesamten Nervensystems liegt am Fundament jeder wahren Theorie des Lebens. Das gilt zuallererst für das physische Leben bei seiner Erhaltung, Verlängerung und bei der Behandlung von Krankheitszuständen. Und auch im Blick auf das mentale Leben und sogar des höheren moralischen und spirituellen Lebens. Ein korrektes Wissen der Physiologie, das im Bereich der Psychologie angewendet wurde, hat die älteren Anschauungen und Pläne für die Bildung obsolet gemacht und die moderne natürliche Schule entstehen lassen, die so viel dazu getan hat, wahre Pläne für die Bildung und wahre Methoden des Studiums zu entwickeln.”
J. M. Littlejohn

Ferner beschreibt folgendes Zitat von Littlejohn am schönsten, wie man in der Osteopathie, aber auch in anderen Disziplinen denken und arbeiten sollte.

“Wenn du deine Hände auf einen Kranken legst, lege sie ehrfurchtsvoll auf ihn, denn du hast es mit dem Meistermechanismus von Erde und Himmel zu tun: dem menschlichen Körper. Kein vollkommenerer ist uns jemals begegnet.”
J. M. Littlejohn – aus der Abschlussrede Kirksville 1898